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Sklaven - Waren statt MenschenDas Wort "Sklave" stammt aus dem lateinischen 'S(c)lavus' und dem griechischen 'Sklábos', was soviel wie Unfreier, Leibeigener bedeutet. Sklaverei gab es schon im Altertum und in der Antike - und gibt es bis heute! Ein Sklave steht in völliger persönlicher Abhängigkeit als Besitz seines Herrn - rechtlich behandelt wie eine Sache.

Sklavenhalter brandmarken ihr 'Eigentum' - Quelle: University of Virginia DMLBis ins 19. Jahrhundert galten Sklaven als Ware und nicht als Personen. Ihre Herren, die Sklavenhalter, konnten alle mit dem Eigentumsrecht verbundenen Befugnisse ausüben, sie konnten ihre Sklaven verkaufen, vermieten, verpfänden und auch töten. Der Sklave durfte keinen Anspruch auf verwandtschaftliche Beziehungen oder gar seelische Bindungen erheben. Sein Besitzer entschied über Sexualität, Familiengründung oder Zusammenleben einer Familie. Auf Fluchtversuch stand meist die Todesstrafe. Zu einem Sklaven wurde man durch Geburt, bei Kriegsgefangenschaft, bei Bestrafung schwerer Verbrechen oder totaler Verschuldung.


Sklaverei in Amerika


Der französische 'Code Noir' von 1685, das Gesetzbuch der Sklavenhalterei - Quelle: The Louverture ProjectMit der Kolonisierung Amerikas entstand ein grosser Bedarf an billigen Arbeitskräften. Anfangs verpflichteten die spanischen und portugiesischen Kolonialherren in Amerika die indianische Urbevölkerung zu Zwangsarbeit in ihren Plantagen und Bergwerken. Die schwere körperliche Arbeit und unbekannte, von den Europäern eingeschleppte Krankheiten rafften die Eingeborenen jedoch schnell dahin. So begann man schwarze Sklaven aus Afrika, zunächst von der afrikanischen Westküste, nach Amerika und in die Karibik zu verschiffen.

Die rechtliche Stellung der Sklaven war in den Kolonien der verschiedenen Länder unterschiedlich. Teils wurde sie von einem speziellen Gesetzbuch geregelt, wie in den französischen Kolonien seit 1685 dem Code noir oder dem spanischen Código Carolino von 1785. In den britischen Gebieten galten mit Gesetzbüchern wie dem Barbados Code
die strengsten Vorschriften. Neben den rechtlichen Bestimmungen hatten insbesondere der Aufgabenbereich und der damit verbundene Status wesentlichen Einfluss auf die Lage eines Sklaven. Die Plantagensklaven erfuhren im Vergleich zu jenen, welche in Haushalt und Gewerbe arbeiteten, eine besonders harte Behandlung und ihre Tätigkeit war Schwerstarbeit. Sie mussten auf den Plantagen bei tropischer Hitze bis zur völligen Erschöpfung schuften, wer nicht spurte, bekam die Peitsche zu spüren. Sklavenaufstände wie auf Haiti zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren eine Folge der unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Trotz fürchterlicher Strafen gab es immer wieder Sklaven, welche die Flucht versuchten. Eigens dafür engagierte Sklavenjäger mit speziell dressierten Hunden sollten sie aufspüren. Wurden die entlaufenen Sklaven gefunden, drohte ihnen zur Abschreckung der anderen eine grausame öffentliche Hinrichtung.

Abschaffung der Sklaverei


Symbol der Abolitionistenbewegung in England - Quelle: Massachusetts Studies ProjectErste Proteste gegen die Sklaverei wurden in Europa um 1783 im Zuge der Aufklärung laut, zuerst in Grossbritannien. Stark daran beteiligt war die christliche Religionsgemeinschaft der Quäker, welche mit öffentlichen Kampagnen auf das Leid der Sklaven aufmerksam machte. Dänemark schaffte schon 1803 die Sklaverei in seinen kolonialen Besitzungen ab, da sie wirtschaftlich nicht mehr rentabel und zudem entbehrlich geworden war. Auch die britischen Sklavereigegner - die Abolitionisten unter Führung von William Wilberforce und Thomas Clarkson - erreichten schlussendlich ihr Ziel: 1807 verbot das britische Unterhaus den Sklavenhandel auf britischen Schiffen und 1833 wurde die Sklaverei in allen britischen Kolonien formell abgeschafft.

1815 stellten sich die europäischen Grossmächte am Wiener Kongress auf die Seite der Abolitionisten. Seitdem machten französische und britische Schiffe vor der Sklavenküste Westafrikas Jagd auf Sklavenschmuggler. Dennoch ging der Sklavenhandel illegal weiter. Im 19. Jahrhundert verlagerte sich der Handel mit Sklaven nach Ostafrika, wo arabische Händler seit jeher Sklavenhandel betrieben, um den Vorderen Orient zu versorgen. Die Insel Sansibar wurde zu einem wichtigen Umschlagsplatz für den illegalen Sklavenhandel. 1848 schafften die Franzosen die Sklaverei in ihren Gebieten endgültig ab, die Holländer 1863. In den spanischen und portugiesischen Gebieten wurde sie im Rahmen der Unabhängigkeitserklärungen der karibischen und südamerikanischen Ländern aufgehoben, zuletzt 1888 in Brasilien. In den USA wurde der Sklavenhandel mit Afrika 1808 verboten, nicht aber der Binnenhandel: Der Streit um die Sklavenhaltung zwischen Nord- und Südstaaten dauerte bis zum Ende des Sezessionskrieges, genauer gesagt bis zur Abschaffung der Sklaverei durch Abraham Lincoln 1863 an.

Moderne Sklaverei


Brasilianische Sklaven beim Mehl mahlen - Quelle: OvermundoDie internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung der Sklaverei wurde 1926 vom Völkerbund durch die Antisklavereiakte verstärkt. 1948 verurteilte und kriminalisierte die UNO jegliche Art der Sklaverei im 4. Artikel der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte": "Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in all ihren Formen verboten."

Dennoch gelangen auch heute noch Menschen in Situationen, die mit dem Zustand der Versklavung zu vergleichen sind. Häufig sind es Opfer von Menschenhandel und Zwangsarbeit. In Nordbrasilien werden beispielsweise regelmässig Grossgrundbesitzer bei der Beschäftigung von Sklavenarbeitern ertappt. Menschenrechtsvertreter, die diese Missstände bekämpfen, werden mit dem Tode bedroht. Die weite Verbreitung von Feuerwaffen ermöglicht die gewaltsame Verhinderung der Flucht von den bis zu einigen Tausend Quadratkilometern grossen Landgütern, auf denen in letzter Zeit auch heimliche Friedhöfe entdeckt wurden. Durch Korruption werden Gerichtsprozesse teilweise bis zu ihrer Verjährung verschleppt. Eine Gesetzesänderung, die den betroffenen Grossgrundbesitzern mit der Enteignung gedroht hatte, wurde durch eine starke Lobby im Senat verhindert.

Mehr Informationen zu den Formen moderner Sklaverei und deren Bekämpfung: www.antislavery.org
Über den Sklavenhandel innerhalb Afrikas, welcher schon vor Ankunft der Europäer in Afrika existierte, erfahren Sie hier mehr...

Quellen:
Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden, Leipzig/Mannheim 2006.
Brockhaus, Die Bibliothek, Weltgeschichte, Band 4, Wege in die Moderne (1650-1850), Leipzig/Mannheim 1998.
Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Mannheim/Wien/Zürich 1977.
Janine Voigt, Die Abschaffung des transatlantischen europäischen Sklavenhandels im Völkerrecht, Zürich 2000.
Wikipedia, http://de.wikipedia.org
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