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Die Rolle der Schweiz im Sklavenhandel beleuchten

Obwohl die Schweiz nie eine Kolonialmacht war, bedeutet das nicht, dass eines der grössten Verbrechen gegen die Menschlichkeit - der Handel mit afrikanischen Sklaven - unbemerkt an ihr vorbeigegangen wäre. Schweizer Privatpersonen haben ebenso aus dem Sklavenhandel Profit geschlagen wie andere Europäer auch.

Europäer kaufen schwarze Sklaven in Afrika, spätes 18. Jahrhundert - Quelle: Amistad Mystic SeaportEinzelne Schweizer Bürger profitierten wirtschaftlich enorm während des transatlantischen Dreieckshandels, sie produzierten Textilien, sogenannte Indiennes für den Eintausch in Afrika gegen Sklaven, handelten mit Kolonialwaren und besassen Plantagen in Übersee, die sie von Sklaven bearbeiten liessen. Andere Schweizer verdingten sich als Söldner in Übersee oder mussten in der "Neuen Welt" ihr Auskommen suchen, um Armut und Hunger in der Schweiz zu entfliehen. Diese Tatsachen zeigen deutlich die grenzübergreifende Verstricktheit und die globale Dimension des Sklavenhandels des 16.-19. Jahrhunderts.

Projektfokus


Afrikaner auf einem Flüchtlingsboot - Quelle: SpiegelEbenso wie im 18. und 19. Jahrhundert Schweizerinnen und Schweizer in die "Neue Welt" emigrierten, um der Armut zu entfliehen, suchen heutzutage Menschen aus dem Süden aus denselben Gründen im Norden ihr Glück. Statt Debatten über die Definition eines Einwanderungslands zu führen, will cooperaxion lieber die Schweizer Bevölkerung dazu animieren, Verantwortung im Süden wahrzunehmen. Nicht die Symptome zu bekämpfen sondern bei den Ursachen der Migrationsströme von Afrika nach Europa anzusetzen sehen wir als vordringliches Ziel. Dies ist keine Aufgabe, die von einem einzigen Land bewältigt werden kann, sondern das Engagement aller europäischen Länder ist dafür notwendig. Die Schweiz kann jedoch ein Zeichen setzen und ihren Beitrag dazu leisten.

Aktivitäten


Fussballbegeisterung kennt keine Grenzen!1. Sensibilisierungsarbeit
Das Thema des transatlantischen Sklavenhandels, dessen Geschichte im Allgemeinen wie auch die Verstrickungen von Schweizer Bürgern im Speziellen sollen einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht werden. Aus Sicht der Schweiz sollen sowohl Täter- wie auch Opferperspektiven ausgeleuchtet werden. Wir wollen dazu in einen Dialog mit der Schweizer Bevölkerung treten.

2. Wissenstransfer
Punktuelles Vermitteln von Fachpersonen, wenn lokale Ressourcen ausgeschöpft sind, und das Knüpfen grenzüberschreitender Netzwerke sind für uns wichtige Mittel, um direkt und indirekt die Verständigung zwischen den Völkern zu verbessern.

3. Interkultureller Austausch
Die Organisation und Unterstützung öffentlicher Veranstaltungen wie Ausstellungen, Tagungen und Projekte in den Bereichen Musik, Film und Literatur, wollen wir in Bezug auf unsere Gesamtstrategie unterstützen. Speziell mit Musik aus dem afrikanischen, südamerikanischen und karibischen Raum lässt sich auch für die junge Generation in der Schweiz ein direkter Zugang zum Thema finden.

Aktuelle politische Debatte


Umgang der Schweiz mit dem transatlantischen Sklavenhandel: Aufarbeitung statt Entschädigung

An der 3. Weltkonferenz der UNO gegen Rassismus, welche 2001 im südafrikanischen Durban stattfand, waren nicht nur die zeitgenössischen Erscheinungen von Rassismus ein Thema, sondern auch die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit. Als afrikanische Staaten daraufhin Entschädigungsforderungen an die Länder stellten, welche vom Sklavenhandel profitiert hatten, betonte der Schweizer Menschenrechtsvertreter bei der UNO, Jean-Daniel Vigny, dass diese Forderung für die Schweiz kein Problem darstelle, da "wir mit Sklaverei, dem Sklavenhandel und dem Kolonialismus nichts zu tun haben". Auch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus hielt noch 2002 an einer nationalen Konferenz in Bern fest, dass "die Schweiz keine Kolonialmacht war und sich auch nicht an der Sklaverei in Afrika beteiligt hat".

Der Schweizer Hans Fässler präsentierte 2003 im Rahmen der 200jährigen Feier des Beitritts St. Gallens zur Eidgenossenschaft ein Stück, das von der Beteiligung eines Schweizer Söldners an der Niederschlagung des Sklavenaufstands von 1803 in Haiti handelt. Bei den Vorbereitungen dazu stiess Fässler auf zahlreiche Verbindungen der Schweiz zum Sklavenhandel, was ihn bewog, dieses Thema auch auf politischer Ebene zur Sprache zu bringen. Auf seine Anregung hin reichten linke Parlamentarierinnen und Parlamentarier in verschiedenen Kantonen im Februar und März 2003 schriftliche Anfragen zur Rolle der Schweiz und der Schweizer Bürger im transatlantischen Sklavenhandel ein. Auf bundesstaatlicher Ebene reichte Nationalrätin Pia Hollenstein (Grüne) eine Interpellation Schweizer Beteiligung an Sklaverei und transatlantischem Handel mit Sklavinnen und Sklaven ein.

Die Antworten auf die Vorstösse anerkennen zwar eine Schweizer Beteiligung an der Versklavung der Schwarzen, ziehen jedoch eine klare Grenze zwischen der Regierung und dem Verhalten von einzelnen Privatpersonen. Die Kantonsregierungen sind klar der Ansicht, dass die offizielle Schweiz keine Schuld trägt. Geschichtliche Studien würden sie begrüssen, die Initiative dazu müsste aber von der Forschung ausgehen. Viele Kantone vertreten die Meinung, dass solche Forschungen nur kantonsübergreifend Sinn machen, da es sich um einzelne involvierte Schweizer Bürger handle. Sie schieben somit die Verantwortung auf den Bund.

Auszug der Antwort des Bundesrates vom 16. Juni 2003 auf die Interpellation Hollenstein:

"Die Schweiz war nie eine Kolonialmacht und unterschied sich damit auf der Ebene verantwortlichen staatlichen Handelns grundlegend von diesen. Trotzdem waren verschiedene Schweizer Bürger mehr oder weniger stark am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt, was der Bundesrat aus heutiger Perspektive zutiefst bedauert. Diese Tatsache ist jedoch bekannt und wurde bereits in mehreren Arbeiten hervorgehoben, wie auch der Text der Interpellation unterstreicht. An der Sklaverei und am Sklavenhandel waren viele Staaten beteiligt. Der Bundesrat ist deshalb der Ansicht, dass die veschiedenen Aspekte der Sklaverei und des Sklavenhandels auf internationaler Ebene und unter Beteiligung der Zivilgesellschaft behandelt werden müssen [...] Anschliessend sei noch angefügt, dass der Bundesrat zwar bereit ist, die politisch notwendige Aufarbeitung der Vergangenheit zu unterstützen. Er sieht aber dort eine Grenze, wo sich durch den Lauf der Zeit durch die verjährende Wirkung der Generationenfolge die Verantwortlichkeit heutiger Generationen für Fehler der Ahnen verflüchtigt hat."

Die Vereinten Nationen begingen 2004 ein Gedenkjahr zum Kampf gegen die Sklaverei, das International Year to commemorate the Struggle against Slavery and its Abolition. 2006 griff Nationalrat Joseph Lang (Grüne) das Thema Schweiz und Sklavenhandel noch einmal auf und reichte eine Interpellation ein, um abzuklären, wieviel die Schweiz bisher zur Umsetzung des in Durban verabschiedeten Aktionsprogramms getan habe. Der Bundesrat äusserte sich wie folgt:

Auszug aus der Stellungsnahme des Bundesrates vom 2. Mai 2007:

"[...] Vorab ist daran zu erinnern, dass die Schweiz mit ihrem Beitritt zu einer Vielzahl relevanter internationaler Übereinkommen mit aller Deutlichkeit manifestiert, dass sie jede Form von Sklaverei entschieden ablehnt. So hat sie bereits am 28. Juli 1964 das Zusatzübereinkommen vom 7. September 1956 über die Abschaffung der Sklaverei, des Sklavenhandels und sklavenähnlicher Einrichtungen und Praktiken ratifiziert und ist auch Vertragsstaat sämtlicher einschlägiger ILO-Konventionen und UNO-Menschenrechtsübereinkommen. Darüber hinaus anerkennt die Schweiz durch die Verabschiedung der Resolution Commemoration of the 200th Anniversary of the Abolition of the Trans-Atlantic Slave Trade sowie durch ihr Mittragen der Erklärung und des Aktionsprogramms der Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban, dass Sklaverei zu den schlimmsten Menschenrechtsverletzungen gehört und das in der Zeit des Kolonialismus begangene Unrecht kritisch aufgearbeitet werden muss. Diese Aufarbeitungsarbeit ist gemäss dem Bericht des Bundesrates zur Menschenrechtsaussenpolitik der Schweiz 2003 - 2007 jedoch kein Schwerpunkt der schweizerischen Menschenrechtsaussenpolitik. Daher verzichtet die Schweiz auf die Durchführung von Massnahmen zum Begehen des International Day for the Commemoration of the 200th Anniversary of the Abolition of the Trans-Atlantic Slave Trade am 25. März 2007.
Der Bundesrat anerkennt die Wünschbarkeit, die Geschichte von Sklaverei und Sklavenhandel sowie deren Auswirkungen ins Schweizerische Bildungssystem zu integrieren. Die Verantwortung für das Schulwesen und insbesondere für die entsprechende Anpassung von Lehrplänen liegt bei den Kantonen. Der Bund finanziert massgebend die Stiftung Bildung und Entwicklung, welche Unterrichtsmaterialien zu diesem Themenbereich entwickelt und für die Integration in die kantonalen Schulsysteme zur Verfügung stellt."

Quellen:
Eine detaillierte Auflistung der parlamentarischen Verstösse mitsamt vollständiger Antworten der Regierungen der Kantone und des Bundes ist auf Hans Fässlers Homepage zu finden:
http://www.louverture.ch
Erklärung und Aktionsprogramm der Weltkonferenz gegen Rassismus 2001 in Durban:
http://www.edi.admin.ch/shop/00019/00075/index.html?lang=de
Hans Fässler, Reise in Schwarz-Weiss, Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei, Zürich 2005.
Thomas David/Bouda Etemad/Janick Marina Schaufelbühl, Schwarze Geschäfte, Die Beteiligung von Schweizern an Sklaverei und Sklavenhandel im 18. und 19. Jahrhundert, Zürich 2005.

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Hintergrund


Schweizer Beteiligung am Sklavenhandel des 16. - 19. Jahrhunderts


Afrikanische Sklaven in der Schweiz

Karte Schweiz - Quelle: CIA World Factbook

Geschichte der Schweiz

Gegenwärtige Situation in der Schweiz


Downloads:
Länderprofil

Schweizer Politik 1864


"Die gemietheten Neger sind aber in der Regel verdorbene Individuen, und es ziehen daher viele Familien es vor, für gute Sklaven einen höhern Ankaufspreis zu zahlen und Jahre lang verlässige Dienstboten zu besizen. Der Vortheil, treue und befriedigende Diener in der Familie zu haben, darf wahrlich nicht gering angeschlagen werden in einem Lande, in dem die dienende Klasse auch die korrumpirteste der ganzen Bevölkerung bildet."


Zitiert aus "Bericht des Bundesrathes an den h. Nationalrath, betreffend Strafbestimmungen gegen Schweizer in Brasilien, welche Sklaven halten", vom 2. Dez. 1864.