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Babaçu-Frauenprojekt - Kampf für Autonomie und LandrechteBrasilien ist ein Land enormer wirtschaftlicher und sozialer Gegensätze: Während sich der Süden des Landes durch schnelles wirtschaftliches Wachstum, eine sehr reiche Oberschicht und moderne Grossstädte auszeichnet, steht auf der anderen Seite der Nordosten Brasiliens mit riesiger Armut, geringer Wirtschaftsentwicklung und grosser Arbeitslosigkeit.


Brasiliens Nordosten ist geprägt von Armut und Hunger - Quelle: OvermundoIm Nordosten lebt der grösste Teil der immer noch stark benachteiligten afrobrasilianischen Bevölkerung. Viele von ihnen wohnen auf dem Land in sogenannten Quilombos, welche ursprünglich von entflohenen Sklaven gegründet wurden. Mit mehr als 520 Quilombos weist der Bundesstaat Maranhão die höchste Dichte im ganzen Land auf. Obwohl den Quilombolas 1988 in der Verfassung als Wiedergutmachung für das Unrecht der Sklaverei das kollektive Besitz- und Verwaltungsrecht für das Land zugesprochen wurde, auf dem sie leben, kämpfen sie gemeinsam mit weiteren indigenen Gemeinschaften bis heute um ihr Land. Grossgrundbesitzer und Agrarkonzerne machen es ihnen streitig und zerstören durch exzessive Bodennutzung ihre natürlichen Lebensgrundlagen.
Babaçunuss - Quelle: Paty ErvasBabaçupalmen stellen für die Quilombolas eine wichtige Einnahmequelle dar. Die Nachfrage nach Naturöl aus Babaçunüssen für Lebensmittel und Seifen ist in der Region sehr gross. Das Sammeln, Öffnen und die Verarbeitung der Babaçunuss ist eine traditionelle Fertigkeit der Quilombo-Frauen und wird von den Müttern an ihre Töchter weitergegeben. Das Ernten und Knacken der Babaçunüsse kann bis heute nicht maschinell ersetzt werden, da es so nicht möglich ist, die vier bis fünf Samen pro Nuss für die Ölgewinnung unbeschadet zu erhalten. Das Wissen und die Arbeitskraft der Nussknackerinnen werden aber von der verarbeitenden Industrie ausgenutzt und nur sehr schlecht bezahlt.

Projektziele


Nussknackerinnen beim traditionellen Knacken der Babaçunüsse - Quelle: OvermundoUm die Stellung der Frauen zu stärken engagiert sich cooperaxion im Quilombo „Matões dos Moreira“ mit einem Projekt zum Aufbau und Betrieb einer Produktionsstätte zur Herstellung von Naturöl aus der Babaçunuss. Dadurch eröffnen sich insbesondere für die Frauen neue Zukunftsperspektiven: Durch die eigene Verarbeitung der Rohstoffe werden sie unabhängiger von der Industrie, womit die wirtschaftliche und soziale Autonomie des Quilombos gefördert wird; Arbeitsplätze werden geschaffen und somit Einkommen generiert; traditionelles Handwerk wird aufgewertet, die eigene Identität gestärkt, kulturelles Erbe bewahrt und die natürlichen Ressourcen nachhaltig geschützt. Durch die Verbesserung der Lebensgrundlagen kann zudem der verbreiteten Landflucht entgegengewirkt werden.

Aktivitäten


Oft muss das Babaçuöl mit einfachsten Maschinen gepresst werden - Quelle: Wordpress Blog da SulaDer 300 Kilometer südöstlich der Stadt São Luís gelegene Quilombo „Matões dos Moreira“ im Bezirk Codó des Bundesstaates Maranhão soll eine eigene Produktionsstätte zur Herstellung von Naturöl aus der Babaçunuss erhalten. Das im März 2009 gestartete einjährige Projekt beinhaltet nebst dem Aufbau der Infrastruktur die Vermittlung des Know-How für den Betrieb der Produktionsstätte sowie Aus- und Weiterbildung in Management- und Unterhaltsfragen. Hierfür arbeitet unser lokaler Partner ACONERUQ-MA mit Spezialisten zusammen, welche über das nötige Wissen verfügen. Die Quilombo-Frauen lernen dabei nicht nur die Bedienung der Maschinen, sondern werden auch in den Bereichen Administration, Führung des Betriebs und Verkauf geschult. Ebenfalls ein zentrales Anliegen ist die Sensibilisierung zur nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen. Von den Einnahmen aus dem Verkauf von Palmöl und Seife werden die an den Arbeiten beteiligten Frauen für das Sammeln der Palmkerne, die Verarbeitung und die Vermarktung entschädigt. Ausserdem wird davon ein Amortisationsfonds eingerichtet, mit dem Betriebs- und Reparaturkosten bezahlt werden, um die Nachhaltigkeit der Anlage zu sichern.

Partner


Unsere Partnerorganisation ACONERUQ-MA betreut die Umsetzung des Projekts vor OrtACONERUQ-MA (Associação das Comunidades Negras Rurais Quilombolas do Maranhão, São Luís) wurde 1997 als Zusammenschluss von Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Quilombos im Bundesstaat Maranhão gegründet, um sich gemeinschaftlich für die Interessen und Rechte der Quilombolas einzusetzen, deren wirtschaftliche Unabhängigkeit zu fördern und die Landrechte der Quilombos zu schützen und zu verbessern. Nebst der Kampagnenarbeit, der Förderung der politischen Mitsprache und der Vermittlung von Fähigkeiten dient ACONERUQ-MA auch als Forum für den Informations- und Erfahrungsaustausch der Quilombos untereinander. Zehn Jahre nach der Gründung sind der Organisation bereits 423 Quilombos beigetreten. ACONERUQ-MA ist Mitglied der nationalen Dachorganisation der Quilombolas CONAQ, mit der im Jahre 2004 die nationale Kampagne zur Klärung der Landfrage der Quilombos ins Leben gerufen wurde. Mit Unterstützung des Ministeriums für Agrarentwicklung sind aufgrund dieser Kampagne bis September 2007 20 Territorien in Maranhão gesetzlich als Eigentum der Quilombolas anerkannt worden, bei weiteren 89 - auch beim Quilombo „Matões dos Moreira“ - läuft der Prozess noch.

Zielgruppen


Brasilienkarte mit eingezeichnetem ProjektgebietDirekt in das Projekt involviert sind insgesamt 46 Familien im Quilombo „Matões dos Moreira“ mit ungefähr 230 Personen. Indirekt profitieren jedoch alle 13 Quilombola – Gemeinschaften (ca. 3000 Personen) im Bezirk Codó des Bundesstaates Maranhão von der Produktion. Im Sinne einer gerechten solidarischen Wirtschaft sind diese als Lieferanten und Abnehmer in die Produktion eingebunden. Zudem kommen der Profit und der Schutz der natürlichen Ressourcen der ganzen Region zugute. Umliegende Quilombos können die Anlage gegen ein kleines Entgelt ebenfalls nutzen, so dass sie optimal ausgelastet ist.

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