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Reichtum durch billige Arbeitskräfte und Ausbeutung

Auf dem Weg nach Indien landete der portugiesische Seefahrer Pedro Álvarez Cabral am 22. April 1500 bei Porto Seguro an der brasilianischen Küste und nahm sie für Portugal in Besitz. Mit Plantagenwirtschaft und der erbarmungslosen Ausbeutung der Ureinwohner und afrikanischer Sklaven bereicherten sich Kolonialisten aus ganz Europa. Mehr als ein Drittel aller aus Afrika verschleppten Sklaven wurden nach Brasilien verkauft. Brasilien schaffte erst 1888 die Sklaverei ab - als letztes Land weltweit.

Europa, gestützt von Afrika und Amerika - Quelle: BibliOdysseyBis 1580 hatten die Portugiesen das ganze Land unter ihre Kontrolle gebracht und machten es zu einem abhängigen Vizekönigreich. Zu Beginn wurden brasilianische Ureinwohner aus dem Landesinnern an die Küste gebracht, welche gezwungen wurden, auf den Plantagen der Kolonialherren zu arbeiten. Viele von ihnen starben durch die harte Arbeit und ihre Anfälligkeit für europäische Krankheiten. Die Kolonialherren versuchten daraufhin, die verloren gegangene Arbeitskraft mit Sklaven aus Afrika zu ersetzen. Etwa 4 Millionen Schwarzafrikaner wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert nach Brasilien verkauft und zur Arbeit auf den Plantagen gezwungen. Der Zuckerrohranbau entlang der Küste im Nordosten schuf die Basis zur ersten Blütezeit der Kolonie. Mitte des 17. Jahrhunderts führten Gold- und Mineralienfunde in Minas Gerais zur ersten Urbanisierungswelle im Hinterland. Die Sklaven wurden nun auch in den Minen eingesetzt. Im Süden entwickelte sich im 18. Jahrhundert der Kaffeeanbau zu einem rentablen Wirtschaftszweig. Um die Lücke zu stopfen, die der amerikanische Sezessionskrieg hinterliess, wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Nordostbrasilien zusätzlich Baumwolle angepflanzt. Im 18. und 19. Jahrhundert machten afrikanische Sklaven und deren Nachkommen in allen Regionen mindestens 40% der Bevölkerung aus, in den Bergbauregionen sogar über 80%. Für die harte körperliche Arbeit wurden bevorzugt männliche Sklaven importiert, auf drei schwarze Sklaven kam gerade mal eine schwarze Sklavin. Gefangene und versklavte Ureinwohner waren mehrheitlich Frauen und Kinder, welche zusammen mit afrikanischen Sklaven auf den Feldern arbeiteten. Oftmals entstanden daraus Familien.

Abschaffung der Sklaverei


Recife - einer der rege genutzten Häfen der Kolonialzeit in Nordostbrasilien - Quelle: WikimediaAm 7. September 1822 wurde Brasilien nach drei Jahrhunderten unter portugiesischer Kolonialherrschaft unabhängig. Der Sohn des portugiesischen Königs, Pedro I., machte sich zum ersten Kaiser von Brasilien. Die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte ging jedoch unverändert weiter. Von 1850 bis 1880 suchten verarmte Europäer - darunter mehrere Tausend Schweizer - ihr Glück auf Brasiliens Plantagen. Ihr Traum von einer besseren Zukunft erfüllte sich selten, da ihre Arbeits- und Lebensbedingungen oft jenen der schwarzen Sklaven glichen. Die endgültige Abschaffung der Sklaverei am 13. Mai 1888 hatte mehr politische und wirtschaftliche denn humanitäre Gründe. Sklaven zu kaufen war vielen Plantagenbesitzern schlichtweg zu teuer geworden, ausserdem strömten in Scharen billige Arbeitskräfte aus Europa nach Amerika. Brasilien war das letzte Land weltweit, das die Sklaverei offiziell abschaffte. In der Realität existiert Sklaverei in vielen Teilen Brasiliens jedoch bis heute weiter.

Pflanzeroligarchie und Diktatur


Herrenhaus einer reichen Kaffeeplantage - Quelle: Fazenda1889 stürzte das Militär den Kaiser und rief die Republik aus. Eine reiche Pflanzeroligarchie beherrschte die Politik. Doch durch die Weltwirtschaftskrise 1929 brach unerwartet die inzwischen ganz auf dem Kaffee- und Kautschukexport basierende brasilianische Wirtschaft zusammen. Die Folgen davon waren soziale Unruhen. Als "Vertreter der Armen" bemächtigte sich Getúlio Dornelles Vargas der Regierungsgewalt und errichtete den Estado Novo, eine nationalistische Diktatur. 1945 musste Vargas auf Druck der Armee zurücktreten. Die darauf folgende demokratische Phase dauerte nicht lange: 1964 kam mit Hilfe der USA, welche Angst vor sozialistischen Ideen und der Einbusse an politischem Einfluss in Brasilien hatten, ein Militärputsch zustande. Die Diktatur des Militärs dauerte von 1964-1985 und war von Menschenrechtsverletzungen, politischen Säuberungen, einer steigenden Staatsverschuldung und Inflation geprägt. Unter wachsendem sozialem und kirchlichem Druck wurde die Regierung 1985 gezwungen, zur Demokratie zurückzukehren. Die Zeit der Militärdiktatur und die Zahl der Opfer, die sie forderte, wurden bis heute nicht völlig aufgearbeitet.
Mehr zur gegenwärtigen Situation im Land...

Quellen:
Harenberg Länderlexikon, Alle Staaten auf einen Blick, Dortmund 2002.
Macmillan Encyclopedia of World Slavery, Volume 1 & 2, New York 1998.
Wikipedia, http://de.wikipedia.org

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