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Dreieckshandel - Beginn der Globalisierung Stoffe von Europa nach Afrika, umgetauscht in Sklaven für Amerika und die Karibik, dort für Rohstoffe wie Baumwolle und Zucker verkauft - mit Profit für Europa! Der Sklavenhandel war ein Dreiecksgeschäft im grossen Stil. Abgeschafft wurde er dank engagierten Menschenrechtlern - und weil er nicht mehr rentierte.

Der Dreieckshandel des 16. - 19. Jahrhunderts - Quelle: WikimediaDer transatlantische Sklavenhandel war ein sogenannter Dreieckshandel: Die Sklavenhändler aus Europa tauschten an der afrikanischen Küste europäische Manufakturwaren wie Textilien, Werkzeuge, Feuerwaffen, Metall- und Glaswaren gegen Sklaven. Diese wurden auf Sklavenschiffen nach Amerika transportiert, wo sie auf Zuckerrohr-, Baumwoll-, Kaffee-, Kakao- und Tabakplantagen und in Bergwerken arbeiten mussten. Die Händler kauften dann die Produkte und Rohstoffe dieser Plantagen und Minen und verkauften sie in Europa mit Profit weiter. Ein Sklave, den man in Afrika für Tauschartikel im Wert von fünf Gulden erwerben konnte, brachte in Amerika das Zehnfache in Zucker ein, der in Europa wiederum für ein Vielfaches verkauft werden konnte! Damit nahm die Globalisierung der Wirtschaft ihren Anfang.

Unfairer Handel


Sklavenverkauf in Havanna, Cuba, 1837 - Quelle: University of Virginia DMLDas handelspolitische Interesse der europäischen Staaten zielte allein darauf ab, möglichst grossen Nutzen aus ihren Kolonien zu ziehen. Diese Handelsbeziehungen waren von Beginn weg einseitig ausgerichtet, die Kolonien waren Ausbeutungsobjekte und niemals gleichgestellte Handelspartner. Die Europäer beluden ihre Schiffe mit Gütern und Fabrikwaren aus Europa, insbesondere Textilien, wofür sie in Afrika schwarze Sklaven erwarben. Diese wurden in den amerikanischen Kolonien wiederum gegen Zucker, Baumwolle, Tabak und andere koloniale Rohstoffe eingetauscht. Dieser Handelskreislauf prägte die wirtschaftliche Entwicklung der drei Kontinente. In Europa wurden die industrielle Produktion und somit die Entstehung von Fabriken und Arbeitsplätzen angekurbelt und die Schiffsindustrie, besonders in Grossbritannien, blühte auf.

Die steigende Nachfrage der afrikanischen Herrscher nach europäischen Fertigwaren, insbesondere Kleidern, zwang sie dazu, den Europäern ein interessantes Tauschgeschäft anbieten zu können. Da sie im Vergleich zu ihrer Konkurrenz in Asien und Amerika kaum über Produkte und Rohstoffe als Handelswaren verfügten, verlegten sie sich auf den Handel mit "menschlichen Waren", den Sklaven. So waren in Afrika bald unzählige Einheimische mit dem Einfangen ihrer Landsleute beschäftigt, und es geschah oft, dass Herrscher, die Sklavenhandel betrieben, selbst gefangen genommen und als Sklaven verkauft wurden. Der Sklavenhandel brachte den afrikanischen Zwischenhändlern Profite und stabilisierte einige Militärstaaten, erschütterte aber die Demographie und Ökologie West- und Äquatorialafrikas tief und auf lange Dauer. In grossen Teilen Westafrikas hing mit der Zeit das ganze Produktionssystem von der Sklaverei ab, politische und soziale Institutionen waren oft eng mit ihr verknüpft. Alternativen zum Sklavenhandel wurden bis weit ins 19. Jahrhundert nie in Betracht gezogen. Die Abschaffung der Sklaverei durch die Europäer und somit der Verlust des wichtigsten Wirtschaftszweigs der afrikanischen Elite stürzte den Kontinent in ökonomische und gesellschaftspolitische Desorientierung.

Abnehmende Gewinne


Britische Münze zur 200jährigen Feier der Abschaffung der SklavereiIm Gegensatz zu Afrika machte der Handel mit Sklaven und Kolonialwaren in Europa nie den grössten Teil der Handelsgeschäfte aus. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verlor er zunehmend an Bedeutung. In Grossbritannien mehrten sich kritische Stimmen, welche den volkswirtschaftlichen Nutzen der Sklaverei anzweifelten, obwohl Privatpersonen immer noch Gewinne damit machten. Sie fürchteten die Konkurrenz der billigen Arbeitskräfte in den Kolonien, welche die europäische Produktion benachteiligten. Die Entdeckung des Rübenzuckers, welcher in gemässigten Breitengraden in Europa angebaut werden konnte, beschleunigte den Niedergang der tropischen Zuckerrohrplantagen. Die britischen Befürworter der Abschaffung der Sklaverei, die Abolitionisten, bauten ihren Erfolg vor allem auf wirtschaftlichen Argumenten auf, sie bezeichneten die Sklavenhaltung als ineffizient und kostensteigernd. Grossbritannien hatte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1775-83 seinen wichtigsten Kolonialbesitz in Übersee verloren, die USA. Von der Sklaverei in den Kolonien profitierten somit vor allem die Franzosen, die Spanier und die Holländer. Deren Kolonien in den tropischen Breitengraden waren zudem landwirtschaftlich viel fruchtbarerer. Die Briten lieferten jedoch als wichtigste Seemacht nach wie vor viele Sklaven in die Kolonien anderer Länder.

Handelskrieg


Sklavenrevolte auf einem Schiff - Quelle: University of Virginia DMLDer Sklavenhandel war ein gefährliches Geschäft. Die involvierten Soldaten, Matrosen, Händler und Beamten bezahlten ihr abenteuerliches Engagement nicht selten mit dem Leben. Sklavenaufstände häuften sich, gerade in den Kolonien, wo viele schwarze Sklaven und nur wenige Weisse lebten. Der Sicherheitsaspekt wurde immer wichtiger. Die Vormachtsstellung Grossbritanniens zu See wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Frankreich in Frage gestellt, der erbitterte Handelskrieg der beiden Grossmächte trug entscheidend zum Durchbruch der Abolitionsbewegung als wirtschaftskriegerischer Massnahme bei. Nach dem Verbot des Sklavenhandels für britische Staatsbürger 1807 übte Grossbritannien Druck auf andere Kolonialmächte aus, um keine Handelsnachteile zu haben. Von Grossbritannien bedrängt beschlossen die politischen Mächte Europas im Wiener Kongress 1815 die Ächtung der Sklaverei aus humanitären Gründen.

Freiheit


Afrikanischer Sklave wird 1907 von der britischen Royal Navy befreit - Quelle: Metro UKNach dem Verbot des Sklavenhandels auf britischen Schiffen verfolgten die Briten den Sklavenschmuggel auf hoher See. Befreite Sklaven brachten sie in Missionsstationen an die westafrikanische Küste, wo sie sich erholen konnten. Obwohl Afrikaner traditionell auf einen Gemeinschaftsverband angewiesen waren, wurde weder für ihren Schutz noch für ihre Integration oder Rückführung zu ihrem Volk gesorgt. So entstanden vagabundierende Banden, welche nicht selten wieder in die Hände von illegalen Sklavenhändlern fielen. Dieser Tragik versuchten religiöse Vereinigungen wie die britische Church Missionary Society entgegenzuwirken. Sie gründeten Kolonien und Dörfer, um fehlende Familienbanden zu ersetzen und neue Gesellschaftsstrukturen zu bilden. So entstand zum Beispiel die Stadt Freetown im heutigen Sierra Leone.

Die ehemaligen Kolonien in Südamerika und der Karibik erlangten nach und nach ihre Unabhängigkeit. Bis heute jedoch kämpfen viele dieser Länder mit dem schwierigen Erbe der Kolonialzeit: Die einseitige Fixierung auf landwirtschaftliche Erzeugnisse als Exportprodukte, ungeklärte Fragen einer gerechten Landaufteilung und der grosse Anteil von Nachfahren ehemaliger Sklaven in der Unterschicht sind Probleme, die vielerorts immer noch ungelöst sind.

Mehr zu den in Europa produzierten Textilien, den sogenannten Indiennes, welche in Afrika gegen Sklaven eingetauscht wurden...

Quellen:
Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden, Leipzig/Mannheim 2006.
Brockhaus, Die Bibliothek, Weltgeschichte, Band 4, Wege in die Moderne (1650-1850), Leipzig/Mannheim 1998.
Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Mannheim/Wien/Zürich 1977.
Janine Voigt, Die Abschaffung des transatlantischen europäischen Sklavenhandels im Völkerrecht, Zürich 2000.


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