Die Sklaven Pedro und Vendredi
Einige Schweizer nehmen Sklaven aus ihrem Besitz in Übersee auch in die Schweiz mit. Leider ist meist kaum etwas über ihr Leben in der Schweiz und die Reaktion der Schweizerinnen und Schweizer auf die Tatsache der Sklavenhaltung in ihrer nächsten Umgebung in Erfahrung zu bringen. Im 19. Jahrhundert leben einige Afrikaner bei Pilgermissionen in Basel, werden aber bald von Krankheiten dahingerafft.
Ein entfernter Verwandter des in Brasilien dank Sklavenarbeit zu Reichtum gekommenem Auguste-Frédéric de Meuron, der Neuenburger Charles Daniel de Meuron (1738-1806), kann eine militärische Karriere auf internationaler Ebene vorweisen: Einsatz für die französische Kolonialmacht in der Karibik von 1755-65, Dienst in der Schweizergarde in Paris 1765-81, Entwurf eines Kolonisationsprojekts der schweizerischen Besiedlung von Französisch-Guayana 1775-80. 1781 hebt er in Neuchâtel ein eigenes Schweizer Regiment von 1100 Mann aus, welches er in den Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie stellt. Das Regiment wird 1783 ans Kap der Guten Hoffnung gesandt, wo es bis 1788 bleibt. Sein Besitzer und Kommandant reist jedoch bereits 1786 wieder nach Europa zurück, im Gepäck viele wertvolle Gegenstände und begleitet von zwei schwarzen Sklaven, Pedro und Vendredi. In Südafrika besass er 14 Haussklaven. Die Anzahl ist so genau bekannt, weil er alle bei seiner Abreise aus Südafrika zu verkaufenden "Gegenstände" (Möbel, Pferde und Sklaven) detailliert auflistet. Seine naturhistorische Sammlung vermacht er 1795 der Stadt Neuchâtel. Auf Initiative der reichen Kaufmannsfamilie Coulon, welche ihr Vermögen aus Zuckerplantagen in Grenada hatte, entstand in Neuchâtel das naturhistorische Museum, auf der Grundlage von de Meurons Sammlung. Vom Leben seiner Sklaven Pedro und Vendredi ist jedoch, wie bei den meisten Sklaven in der Schweiz, kaum etwas bekannt.
Mehr weiss man von der Sklavin Pauline Buisson. Sie gehört David-Philippe Treytorrens (1721-1788), welcher sein Vermögen bei der Niederländischen Ostindien-Kompanie erworben hat. Als Offizier in französischem Dienst half er, einen Sklavenaufstand in Saint-Domingue, dem heutigen Haiti, niederzuschlagen. Als er 1776 in seine Heimat Yverdon zurückkehrt, nimmt er zwei seiner Sklaven, François Mida und Pauline Buisson, mit. Mida stirbt 1797 in Yverdon. Buisson wurde auf Saint-Domingue als Kind von Sklaven aus dem Kongo geboren. Sie scheint sich in der welschen Schweiz einen sehr guten Ruf als Hebamme gemacht zu haben. 1791 bringt sie selbst ein uneheliches Kind namens Samuel-Hippolyte zur Welt. Die Witwe Treytorrens und dessen Schwester verpflichten sich daraufhin in einem Abkommen, Samuel die schweizerische Staatsbürgerschaft zu beschaffen. Die Behörden in Bern lehnen den Antrag der beiden Frauen jedoch ab. Da die Gemeinde Yverdon den Status des "Sans-papiers" Samuel geklärt haben möchte, geht sie davon aus, dass nach dem Tod der beiden Frauen ihr Neffe, Henri de Treytorrens, die Kosten für die Einbürgerung übernehmen müsse. Dieser wehrt sich dagegen mit der Begründung, dass der Status von Sklaven in der Schweiz von der Obrigkeit schon viel länger hätte thematisiert werden müssen. Die Erben der Treytorrens kümmern sich jedoch wie von den beiden Damen gewünscht um die Ausbildung von Samuel: Er absolviert eine Schuhmacherlehre und geht 1811 nach Frankreich, um dort seinen Beruf auszuüben. Zehn Jahre später kehrt er in die Schweiz zurück, aber er vernachlässigt seine Arbeit und verfällt dem Alkohol. Das Ende des Einbürgerungsstreites erlebt Samuel Buisson nicht mehr: 1832 stirbt er mit 42 Jahren, ohne dass sein Status je geklärt wurde. Seine Mutter war bereits sechs Jahre zuvor im hohen Alter von 70 oder 80 Jahren in Yverdon verstorben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebt in Basel, neben London und Paris, eine der ersten und grössten damaligen afrikanischen Gemeinden in Europa. Die Anwesenheit von rund 25 Afrikanern (darunter einige ehemalige Sklaven) erklärt sich durch die Bemühungen der Missionare, Afrika zu evangelisieren. Dabei spielen zwei von Christian Friedrich Spittler gegründete Institutionen eine wichtige Rolle: Die Basler Mission und die Pilgermission St. Chrischona bei Riehen BS. Beide Einrichtungen nehmen Afrikaner auf, welche von den in Afrika tätigen Missionaren geschickt werden. Die Pilgermission St. Chrischona möchte diese zu Evangelisten, aber zugleich auch zu Handwerkern ausbilden. Die Basler Mission unterbricht ihre Ausbildungsprogramme in Basel bereits in den 1860ern, zehn Jahre später folgt die Pilgermission St. Chrischona diesem Entschluss angesichts der hohen Sterberate der auszubildenden Afrikaner: Nahezu die Hälfte von ihnen war an Tuberkulose gestorben. Schweizer waren auch am Handel mit Sklaven beteiligt, und zwar auf ganz unterschiedliche Weise... Quellen: Thomas David/Bouda Etemad/Janick Marina Schaufelbühl, Schwarze Geschäfte, Die Beteiligung von Schweizern an Sklaverei und Sklavenhandel im 18. und 19. Jahrhundert, Zürich 2005. Hans Fässler, Reise in Schwarz-Weiss, Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei, Zürich 2005.
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